Aktuelle Anthologien ...

... die den ein oder anderen meiner Texte enthalten:

"Der mechanische Drache"

Der Drache war sein Meisterstück.
Der Spielzeugmacher war schon alt und hatte viele Spielzeuge hergestellt, und er wusste, dass nicht mehr viele weitere hinzukommen würden. Daher war er sich sicher, dass ihm nie wieder etwas Kunstvolleres gelingen würde.
Denn der Drache war der erste Automat, der fliegen konnte. Gewiss, er hatte schon aufziehbare Flugzeuge konstruiert und kleine Blechhubschrauber, die so lange in der Luft schwirrten, bis ihr Trockenalkohol-Vorrat aufgebraucht war. Der Drache aber konnte seinem Besitzer folgen, manchmal auf dessen Schulter landen und dann wieder aufsteigen in die Luft, unter dem beständigen Surren der Zahnräder in seinem Inneren, bis die Antriebsspiralfeder sich völlig entspannt hatte und er erneut aufgezogen werden musste. Und er flog so, wie es sich für einen Drachen gehörte – getragen von der heißen Luft in seinem Inneren und dem kolibriflinken Schlag seiner Flügel.


Fatal wäre es, Drachen zu unterschätzen!
Wer glaubt, genug über sie zu wissen, hat schon verloren.
Diese 23 meisterlichen Geschichten aus verschiedenen literarischen Genres belegen, dass das Thema aktuell, überraschend und packend ist – und gelegentlich sehr fies!

Drachen! Drachen

Hrsg. Frank G. Gerigk & Petra Hartmann
Blitz-Verlag
ISBN 978-3-89840-339-9

Preis: 14,95  €

"Tod auf dem Fronberg"

Bis zur Ankunft auf dem Fronberg war alles genauso gewesen wie jedes Jahr. Der Ortsvorsteher hatte die Dreizackwecken an die wartenden Kinder verteilt, die diese mit glühenden Wangen auf ihre bunt geschmückten Stabausstecken gespießt hatten. Unter lauten „Ri-ra-ro“-Gesängen waren sie durch Horchheim zum Fronberg gezogen, wo gut sichtbar der Scheiterhaufen auf sie wartete, auf dem der Winter symbolisch verbrannt werden sollte. Dann, als die Blaskapelle an der Spitze des Zuges näher an den Festplatz kam, mischten sich erste falsche Töne und schließlich Entsetzensschreie in das fröhliche „Ri-ra-ro“, und binnen Augenblicken ahnten alle, dass etwas nicht stimmte. Vor dem hoch aufgerichteten Schneemann, der den Winter verkörperte, lag auf dem Reisighaufen eine Frau mit noch immer weit aufgerissenen Augen, die blicklos in den wolkenverhangenen Himmel starrten ...

Nein, es geht nicht nur um Weck, Worscht un Woi! Sondern auch um Leberklöße, Brezeln, Dibbehas, Backesgrumbeern, um Weckschnitte mit Woisooß und um Dreizackweck und und und. 15 Autorinnen und Autoren tischen rheinhessische Gerichte mörderisch gut auf und bringen ihre Opfer mit größter Raffinesse unter die Erde. Zum Ausgleich liefern sie die köstlichen Rezepte gleich mit – denn: Selbst gekocht sind sie in jedem Falle völlig unbedenklich.


Weck, Worscht - Mord

Kurzkrimis mit Rezepten
Leinpfad Verlag
ISBN 978-3-942291-33-0

Preis: 9,90 €

"Schöne Bescherung" und "Marie"

Ein wenig irritierte es mich schon, als der Baum mich ansprach.
„Kauf mich nicht!“, wisperte er.
„Warum nicht?“, entgegnete ich und ließ meinen Blick über die anderen Bäume schweifen. „Du bist schön gerade gewachsen, hast genau die richtige Größe ...“
„Weil ich ein mächtiger Zauberer bin und dich in ... in einen Hasen verwandeln werde!“, trumpfte der Baum auf.
„Falsches Fest“, konterte ich trocken, „außerdem, wenn du so mächtig bist, warum verwandelst du nicht zu allererst dich selbst in einen Menschen oder löst dich einfach in Luft auf?“
Darauf sagte er nichts mehr.
„Na siehst du, so schwer ist es doch gar nicht, sich wie ein normaler Weihnachtsbaum zu benehmen“, stellte ich zufrieden fest und kaufte ihn ...

Eine Anthologie der Autorengruppe Kleeblatt aus dem Rhein-Kreis Neuss: Alle Jahre wieder Weihnachten und alle Jahre wieder ein Weihnachtsbuch. Langweilig? Nein, wichtig und unverzichtbar. Unverzichtbar wie das Süße und Bittere, wie das Lachen und das Weinen, die Freude und der Schmerz. Und wichtig wie die Weihnachtsgeschichte selbst. Bittersüß sind auch die Einkehr und die Besinnlichkeit in den Stunden der „Frohen Botschaft“, in denen jeder von uns hofft; obwohl er weiß, dass alles vergänglich ist. Auch das Weihnachtsbuch vom vorigen Jahr.


Marzipan und Bittermandel

Weihnachtsgeschichten aus dem Rhein-Kreis Neuss
Engelsdorfer Verlag
ISBN 978-3-86268-486-1

Preis: 11,00 €

"Ein perfekter Plan" und "Anna Lübke und der Tote im Hünengrab"

Eigentlich war Mark Duhnke nur durch einen Zufall auf die Idee gebracht worden, seinem Leben ein Ende zu setzen. Natürlich nicht in der Realität, dazu lebte er zu gerne – doch dieses Leben war in den letzten Jahren immer komplizierter geworden. Das war zu einem nicht unbeträchtlichen Teil die Schuld des Finanzamtes, das leider sehr eindeutige Vorstellungen davon hatte, welcher Anteil an Marks Börsengewinnen und sonstigen Einkünften ihm zustand, was wiederum mit Marks Vorstellungen von einem angemessenen Lebensstandard nach seinem Ruhestand kollidierte.
Und dann hatte er innerhalb kurzer Zeit von zwei Selbstmördern gelesen, die von der Fehmarnsundbrücke gesprungen waren. Eine der Leichen war noch immer nicht an Land getrieben worden – dies schuf, befand er, in gewisser Weise einen Präzedenzfall ...

Auf der Reiseroute von Fehmarn nach Kiel lauert das Verbrechen überall. Folgen Sie den Spuren der Täter!
14 Shortstorys sowie zahlreiche Zeichnungen und Tatortskizzen liefern Ihnen spannende Krimiunterhaltung frei Haus.

 

Mörderische Ostsee 2

Ein krimineller Reiseführer
Windspiel Verlag
ISBN 978-3-9813966-4-5

Preis: 11,90 €

"Zwischen Nacht und Morgen"

... Langsam schwand meine Hoffnung, den Wald noch an diesem Abend zu verlassen, während die sinkende Sonne immer seltener ihren Weg durch die Wipfel der Bäume bis zu dem weichen Teppich aus Blättern und Nadeln unter meinen Füßen fand. Ich wusste nicht genau, wie weit der Rückweg noch war; die Karte bot nur wenige Orientierungspunkte, und mit meinem verletzten Fuß fehlte mir ein Maß für den zurückgelegten Weg, selbst wenn ich meine humpelnden Schritte gezählt hätte. Es mochten noch zwei oder drei Kilometer sein bis zum Waldrand, nicht viel unter anderen Bedingungen, doch nun zu weit. Beinahe kam es mir so vor, als sinke die Sonne mit jedem einzelnen Schritt tiefer in das Dach des Waldes, das nun in einen milchigen Vorhang aus Licht getaucht war. Wenn ich ab und an zwischen zwei Schritten innehielt, um den Schmerz einen Moment lang zurückweichen zu lassen, sah ich inmitten der Baumkronen unzählige träge Funken schweben, Staubpartikel vielleicht oder winzige Tiere, die ihr ganzes Leben auf der Grenze zwischen dem dunklen Wald und dem Himmel darüber verbrachten. Dann zerfaserte dieser lichtdurchflutete Streifen, und schneller als erwartet kam die Nacht. ...

Wissen Sie, was Grumgraber sind? Wie man Nhoken jagt? Was man an der Bar in Zyranguls Schmelztiegel bestellt? Oder wie man mit Dryaden umgeht? Zwischen diesen Buchdeckeln finden Sie einen berauschenden Cocktail aus mystisch-fantastischen, unterhaltsam-spannenden und schraurig-schönen Geschichten aus dem Nebenland, gekonnt gemischt und serviert von Magiern der Schreibkunst. Lehnen Sie sich zurück und begleiten Sie Zauberer, Gargoyles, Werwölfe und Dämonen, beobachten Sie Verwicklungen, Verwünschungen und Verwandlungen, erkennen Sie, dass fast nichts ist, wie es zu sein scheint, und lassen Sie sich aus dem Alltag in stets neue fantastische Welten entführen.

inter mundos

Phantastische Kurzgeschichten
Candela Verlag
ISBN 978-3-942635-03-5
Preis: 12,90 €

"Hitze"

... 29. Mai
Gegen Abend klingelt es an der Tür. Stefan fragt, ob ich ihn am nächsten Morgen wieder mit in die Stadt nehmen kann. Er sieht müde aus und noch dünner als letzte Woche. Ich schmiere ihm erst mal ein Butterbrot mit selbstgemachter Erdbeermarmelade, das er hastig verschlingt.
„Sie haben wirklich Glück“, sagt er. „Sie haben Milch, Obst und Gemüse – und unser Getreide verdorrt in der Hitze. Nur gut, dass wir das Sommergetreide noch ausgebracht haben, ehe wir uns den Traktor nicht mehr leisten konnten. Dennoch – dieses Jahr wird kein gutes Jahr für uns Ackerbauern.“
Ich verkneife mir die Bemerkung, dass es andere Menschen viel härter trifft – die Pendler zum Beispiel. Ab und an meldet der Kühlschrank morgens die neuen Arbeitslosenzahlen, die in den letzten Wochen rapide gestiegen sind. Offensichtlich lohnt sich für viele Berufstätige der Weg zur Arbeitsstelle nicht mehr; wer nicht auf Home Office umsteigen kann, dem bleibt wohl nur die Kündigung. Ich freue mich jeden Tag, dass ich schon Rentnerin bin. ...

Haben Sie schon darüber nachgedacht, wie Sie die Zeit nach Ihrem Tod verbringen wollen?
Oder ob Sie den nächsten Gesundheits-Check-up ohne eine saftige Beitragserhöhung überstehen werden?
15 Science-Fiction-Autoren erzählen vom Leben in den Städten der Zukunft, in virtuellen Welten und auf fremden Planeten, die verblüffende Ökosysteme hervorgebracht haben.

Die Audienz

SF-Kurzgeschichten
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-62-4
Preis: 11,95 €

"Abu Risas zweite Chance"

„Würdet Ihr mich als Schüler annehmen?“, fragte der junge Mann mit mehr Erstaunen als Hoffnung in der Stimme.
Der Arzt schüttelte den Kopf.  „Such dir lieber einen anderen Lehrmeister.“ Er blickte demonstrativ auf den vor ihm liegenden Kalender und machte sich einige Notizen.
Doch Milo Londe verstand den Wink nicht. „Bei anderen war ich bereits, sie wollten mich nicht anhören“, antwortete er ernst. „Davon abgesehen komme ich aus einem ganz anderen Grund – ich möchte euch nur um einen Platz in Eurem Labor bitten.“
Abu Risa lachte auf und blickte den jungen Mann mit kaum verhohlenem Spott an. „Ich soll dich in mein Labor lassen? Kannst du mir einen Grund sagen, weshalb ich das tun sollte?“ Dass sein Labor nur noch ein schmutziger, mit Spinnweben überzogener Kellerraum war, seit er Mariam geheiratet hatte, erwähnte er nicht. Der Arzt hatte seinem Besucher mit dem Eingeständnis, ihm keine Bürgerrechte verschaffen zu können, schon mehr als genug verraten.
„Weil meine Pflanze das Sumpffieber heilt“, antwortete der junge Mann ruhig.

Saramee - eine Stadt mit unzähligen Schicksalen, Abenteuern und Geschichten. Einige davon werden in dieser Kurzgeschichtensammlung erzählt.

Das Glück Saramees

Fantasy-Kurzgeschichten
Atlantis-Verlag
ISBN 978-3-941258-17-4
Preis: 12,90 €

   

"Caroline kehrt heim"

Zum Abschied hauchte sie die Andeutung eines Kusses auf seine Wange. „Bald“, sprach sie zum ersten Mal aus, was ihr Lächeln schon seit Tagen verhieß, und er nickte nur glücklich und ging zurück in seine Wohnung. Die Flecken in dem anderen Hemd ließen sich nicht mehr auswaschen, kurzentschlossen warf er es weg. Der Abend war beinahe perfekt gewesen, von solchen Kleinigkeiten würde er sich seine Laune nicht verderben lassen. Als er ein Bier aus dem Kühlschrank holen wollte, hörte er im Hausflur den asthmatischen Mops der alten Jungfer über ihm die Treppen herunterkeuchen. Im nächsten Moment meinte er einen Schrei zu hören – vermutlich stritt das Hausmeisterehepaar im Erdgeschoss mal wieder so laut, dass es im ganzen Haus zu hören war. Er dachte sich nichts dabei.
Als er am nächsten Morgen vom Joggen zurückkam, stand vor dem Haus ein Leichenwagen, daneben zwei Streifenwagen. Ihm stockte der Atem. War der Ehestreit im Erdgeschoss etwa eskaliert? Noch vor der Haustür versperrte ihm ein uniformierter Polizist den Weg.
„Ich wohne hier“, sagte er hastig. „Michael Berg. Was ist geschehen?“

Ob zwischen den Glastürmen der Banken, in der dörflichen Idylle von Bergen-Enkheim, im lichten Grün des Stadtwaldes oder auf dem Rasen der Commerzbank-Arena – menschliche Abgründe lauern überall.

Frankfurter Morde

Kurzkrimis
wellhöfer Verlag
ISBN 978-3-939540-32-8
Preis: 12,80 €

   

"Der blinde Passagier"

Schon vor dem endgültigen Erwachen spürte ich, dass etwas nicht stimmte. Das Licht, das durch meine geschlossenen Lider drang, wurde regelmäßig heller und dunkler. Beim regulären Wecken kurz vor dem Zielplaneten wäre kein Alarm ausgelöst worden.
Sobald das Kryofluid vollständig aus der Schlafkammer gelaufen war, öffnete ich die Augen. Gelber Alarm, vermutlich harmlos. Vielleicht gab es neue Daten von Waveton, die ich mir vor der Landung noch rasch ansehen sollte. Cephach wusste, dass ich gerne genau über unseren Zielplaneten und alle dortigen intelligenten Lebensformen informiert war.
Ich warf einen Blick auf den Kalender in der Wand. 20.03.2108 – noch vier Tage BaseTime bis 51 Pegasi, falls Cephach nicht das TimeLevel geändert hatte, und demnach noch mehrere Monate Bordzeit.

„Wer zum Cucurra weckt die Xenopsychologin mitten im All, wo alle nichthumanoiden Lebensformen zur Besatzung gehören?“, murmelte ich.

Ein ungewöhnlicher "blinder Passagier" stört den Kryoschlaf der Raumschiffbesatzung.

Molekularmusik

SF-Kurzgeschichten
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-47-1
Preis: 11,95 €

   

"Grün wie die Hoffnung"

Die erste Führung an einem neuen Tag hatte immer eine ganz besondere Atmosphäre, fand Claudia Mehling. Wenn sie morgens raschen Schrittes durch den Ehrenhof auf die Würzburger Residenz zuging, dann spürte sie immer die Neugier, ob sich an diesem Tag etwas ändern würde an dem ewig gleichen Rundgang mit den Besuchern, die die immer gleichen Fragen stellten. Auf die heutige Veränderung hätte sie allerdings gut verzichten können.
„Frau Mehling, nun erzählen Sie noch mal in aller Ruhe, was Sie getan und gesehen haben“, unterbrach Kommissar Wagner ihre Gedanken. ...

"... und ruhig fließt der Main"? Von wegen. 24 Autoren haben für diese Anthologie schaurig-schöne Geschichten mit viel Lokalkolorit verfasst, die das Leben glücklicherweise nicht allzu häufig schreibt. Sie zeugen nicht nur von der Liebe zu der reizvollen Landschaft, sondern geben auch einen Einblick in die Untiefen der Seelen mancher Franken.

... und ruhig fließt der Main

24 Kurzkrimis aus Franken
K&N
ISBN 978-3-8260-4069-6
Preis: 12,80 €

   

"Der Zauberkasten"

Leonie wusste selbst nicht, was sie an der letzten, kleinen Bude in der Seitenstraße interessierte. Sie war längst nicht so bunt bemalt wie die anderen Kirmesstände, keine Lichter funkelten entlang des hölzernen Schildes, das in altmodischen Buchstaben "zauberhaftes Spielzeug" versprach. Und auch die alte Frau, die Leonie eher an die letzten Ferien auf dem Bauernhof erinnerte als an die erhoffte geheimnisvolle Zigeunerin, gab sich wenig Mühe, die beiden verirrten Kirmesbesucher anzulocken.
Vielleicht war es gerade das, was Leonie reizte. Die wenigen Spielsachen, die auf der Verkaufstheke aufgebaut waren oder in den Regalen an der Rückwand lagen, waren aus Holz oder Metall hergestellt, manche Teile so windschief, dass Leonie vermutete, ihr Papa konnte das besser.
"Suchst du etwas Bestimmtes?", erkundigte sich die Verkäuferin und stand mühsam auf.
"Etwas Zauberhaftes", antwortete Leonie, ohne darüber nachzudenken. ...

Eine Porschefahrerin auf Menschenjagd, ein Trupp Zwerge auf Anarchistenpfaden, ein Zirkus, der ein dunkles Geheimnis birgt, ein Gast aus dem Nichtraucher-Universum und eine Folterkammer, aus der es kein Entrinnen gibt: Neunundzwanzig ausgewählte Kurzgeschichten und Erzählungen aus allen Bereichen des phantastischen Genres erwarten den geneigten Leser.

Die rote Kammer

Jahresanthologie des EDFC
Hrsg. Frank W. Haubold
ISBN 978-3-939914-07-5
Preis: 9,25 €

   

"Das kleine Schweinchen sucht den Mond"

Als das kleine Schweinchen auf die Welt gekommen war, waren die Tage lang und sonnig und unbeschwert gewesen, und in den finsteren Nächten im Stall hatte es sich an seine Mutter geschmiegt und nicht an die Dunkelheit gedacht.
Nach einigen Monaten aber war das kleine Schweinchen zu einem anderen Bauernhof gebracht worden, wo es außer ihm nur Hühner, Ziegen und eine Kuh gab. Die Tage wurden kürzer und trüber, und wenn der Bauer alle Tiere am Abend in den Stall trieb, konnte das kleine Schweinchen nicht einmal das Licht des Mondes sehen, das keinen Weg durch das Dach des Gebäudes fand.
„Warum bist du so traurig?“, fragte eines der Hühner das kleine Schweinchen an einem Tag, der so grau war, wie es wohl nur Novembertage sein können.
„Jetzt sehe ich nicht einmal mehr die Sonne“, antwortete das Schweinchen leise, „und den Mond werde ich heute auch nicht sehen können, der Bauer bringt uns ja jeden Abend früher in den Stall. Ob es den Mond überhaupt noch gibt?“ ...

In 42 erfrischend komischen, zutiefst nachdenklichen und manchmal zu Tränen rührenden Geschichten erzählen Autoren zwischen 12 und 87 Jahren von erfüllten und verlorenen Träumen, lassen Perlmuttschmetterlinge fliegen und Mondkälber aufmarschieren. Und wer denkt, dass nur der Mann im Mond zuweilen die Erde besucht, irrt sich! Auch umgekehrt erhält er gelegentlich unverhofften Besuch dort oben.

Wovon träumt der Mond

Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-37-2
Preis: 12,95 €

   

"Der Schlüssel"

... Solange ich mich erinnern konnte, war das Schmücken des Baumes und des Wohnzimmer immer Opas Aufgabe gewesen. Zwischendurch verschwand Papa ein paar Mal kurz aus der Küche, und natürlich wussten wir genau, dass er dann die Geschenke aus dem Elternschlafzimmer ins Wohnzimmer trug. Alles andere aber machte Opa – es war ihm wichtig, und es gab schließlich keinen Grund, daran etwas zu ändern. ...

"Einbruch am Heiligen Abend"

„Du traust dich nicht, du traust dich nicht …“
„Natürlich traue ich mich!“, entgegnete Max scharf. Was war denn schon dabei? Wenn die alte Frau wirklich fast taub war, wie seine neuen Kumpels meinten, dann würde sie nicht hören, wie er durch das gekippte Fenster an der Seite des Hauses griff und den Engel von der Fensterbank nahm. Er müsste nur warten, bis die Alte auf das Klingeln seiner Kumpels hin die Haustür öffnen würde, dann blieb ihm genug Zeit zum Handeln.
„Dann mal los!“, befahl Roco, der Anführer der Jungs.
Max atmete tief durch. Eigentlich fand er es albern, einen Engel zu stehlen – wozu sollte das denn gut sein? Aber wenn die Gruppe ihn sonst nicht aufnahm …

Zwei von vielen heiteren und besinnlichen, tröstlichen und nachdenklichen Weihnachtsgeschichten.

Weihnachtsgeschichten am Kamin 23

Hrsg. U. Richter und B. Mürmann
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN 978-3-499-24798-9
Preis: 7,95 €

   

"Aus vielen Einsen etwas Großes"

Melanie bemerkte, dass die alte Dame interessiert auf ihr Heft blickte. Als ob die Oma in ihrem Alter noch Ahnung von Mathe hätte … Melanie seufzte und schaltete den mp3-Player auf Pause. „Blöde Hausaufgaben“, bemerkte sie und klappte das Heft zu.
„Mit dem Taschenrechner geht das bestimmt viel leichter als zu meiner Zeit“, antwortete die Alte und blickte auf die pinkfarbene Hülle des kleinen Rechners, der auf dem freien Sitz neben Melanie lag.
„Nützt nichts“, antwortete das Mädchen. „Die Aufgabe ist völliger Schwachsinn – wir sollen uns irgend welche spannenden Rechnungen ausdenken, in denen nur die 1 vorkommt.“
„Und hast du schon eine Idee?“ erkundigte sich die alte Frau.
Melanie zog die Augenbrauen hoch. Auf eine solche Diskussion hatte sie nun wirklich keinen Bock. Als ob diese Oma ihr helfen könnte! „Nö“, brummte sie und sah demonstrativ zum Fenster hinaus.
„Man könnte natürlich einmal probieren, was passiert, wenn man lauter Einsen malnimmt“, fuhr die Alte im Plauderton fort. „Wieviel ist denn zum Beispiel elf mal elf? Du hast doch da deinen Taschenrechner …“

Diese und 26 weitere Geschichten beweisen, dass Mathematik reich und glücklich macht, dass Zahlen sexy oder romantisch sind und dass es nichts Spannenderes gibt als eine Kurvendiskussion zu zweit.

rätselhaft + wunderbar

Eine lit. Reise in die Welt der Zahlen
Stories & Friends
ISBN 978-3-9811560-3-4
Preis: 17,90 €

   

"Aussichtsloser Morgen"

Zuerst begriff der Mann nicht, was an diesem Morgen anders war.
Nach dem Erwachen war er noch einen Moment lang mit geschlossenen Lidern liegen geblieben, um diese wenigen Sekunden zu genießen, in denen er den anderen einen Schritt voraus war. Das winzige Auge in der Zimmerecke gegenüber, nur sichtbar, wenn er die Brille vom Nachttisch nahm und aufsetzte und vielleicht noch einen Schritt näher herangeging, ahnte noch nicht, dass sein Schlaf beendet war. Regelmäßig hob und senkte sich seine Brust unter der dünnen Bettdecke, manchmal drang ein leises Rasseln aus seiner Kehle, wenn es ihm gelang, Zunge und Gaumen so weit zu entspannen, wie es sonst nur im Schlaf geschah. In diesen kurzen Momenten dachte er über das Leben nach, über sein Leben, genau genommen, wie es nun war und vor langer Zeit einmal gewesen war. Manchmal vergaß er dann, weiter regelmäßig zu atmen und leise zu schnarchen, und fühlte ein leises Bedauern, wenn er früher als sonst das Schauspiel des Erwachens spielen musste, ehe das Auge die Unregelmäßigkeit bemerken konnte. Aber auch an anderen Tagen zwang  ihn die Angst, entdeckt zu werden, bald dazu, den kostbaren unbewachten Augenblick zu beenden. ...

Endlich frei, nicht mehr auf Schritt und Tritt beobachtet - und nun?

Lotus-Effekt

SF-Kurzgeschichten
Wurdack Verlag
ISBN 978-3-938065-32-7
Preis: 10,95 €

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